Generationen managen (Symbolbild)

Jeder Kanzlei-Mitarbeiter „tickt“ anders: Generation X, Y und Z managen

Konflikte im Kanzleiteam kosten den Inhaber Zeit sowie Energie und stören das Klima. Besonders anspruchsvoll wird es, wenn mehrere Altersgruppen zusammenarbeiten. Jede Generation zeichnet sich durch andere Werte und Ziele aus. Wer sie kennt, kann besser führen und verhindert unnötige Probleme im Team.

Der vorliegende Beitrag von Malaika Loher erschien zunächst in Anwalt und Kanzlei (AK): Loher, AK 2020, 140-142

1. Kurzcharakteristik der Generationen

Es lassen sich gewisse Tendenzen innerhalb einer Altersgruppe feststellen. Man unterscheidet die Babyboomer sowie die Generationen X, Y und Z. Die Einteilung nach Geburtsjahren ist eine ungefähre Angabe. Spannend sind aber die Ziele, das Lebensmotto und die Haltung der jeweiligen Gruppe. Schon hier sind gravierende Unterschiede zu erkennen, die sich im täglichen Miteinander auswirken.

Die Generationen nach Geburtsjahr

Checkliste / Umgang mit Gen X
☐ Lassen Sie sich von chronischer Unzufriedenheit nicht beirren. Lenken Sie den Blick des Kollegen auf Lösungen.
☐ Übertragen Sie die Verantwortung für Aufgaben und fordern Sie Innovationen.
☐ Klären Sie den Kollegen detailliert über Vorteile und Nutzen von Strategien, Prozessen und Zielen auf.
☐ Lassen Sie ihn in Gesprächen selbst Lösungen entwickeln, indem Sie offene Fragen stellen.
☐ Ermöglichen Sie dem Kollegen arbeitsfreie Wochenenden und Urlaube.
☐ Belohnen Sie ihn mit Statussymbolen bekannter Marken.
☐ Hinterfragen Sie den Stresspegel und coachen Sie ihn zu mehr Entspannung.

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3. Y = Generation Millennials

Die Digital Natives werden regelmäßig mit dem Stempel der hochgebildeten Oberflächlichkeit bei maßloser Selbstüberschätzung versehen. Zwischen 25 und 40 Jahre alt sind sie, aufgewachsen mit sozialen Medien, Reality TV, Amazon und Superstar-TV. Die Generation Y hat ein völlig neues Weltbild zu bieten. Und das ist der Generation Burnout ein wahrer Dorn im Auge.

Beispiel

„Ich fühle mich wirklich unterbezahlt für die Position, die ich jetzt schon habe. Ich habe schließlich eine sehr gute Note in meinem Abschluss. Ich könnte woanders sicher das Doppelte verdienen. Ein paar Wochen schaue ich mir das noch an, aber dann muss etwas passieren, sonst bin ich weg“, beschwert sich die 32-jährige Rechtsanwaltsfachangestellte.

Ihre Eltern gaben ihnen das Gefühl, ein Recht auf grenzenloses Glück und Erfolg zu haben. Die Folge ist eine Erwartungshaltung an den Job, die Freizeitgestaltung und das Leben an sich, die von der Realität häufig schwer enttäuscht wird. Denn Grenzenlosigkeit bedeutet auch, niemals fertig zu sein, niemals zufrieden, niemals genug zu haben. Schwäche zeigen und Fehler machen gehört nicht zu ihrem Repertoire. Sie schützen ihren Selbstwert durch den Erwerb von noch mehr Zertifikaten, indem sie ein Unternehmen gründen oder nebenbei mehrere Business-Ideen verfolgen. Ihnen geht es vor allem ums Geld, um Freiheit, Karriere, den schnellen Weg ganz nach oben – ohne die nötige Erfahrung, Demut und Folgsamkeit.

Sie wollen keinen „Chef“, sie suchen Inspiration, Impact und Passion. Ihr Vorgesetzter muss ein glänzender Leader sein mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit. Verlieren sie die Lust, fühlen sie sich nicht genug anerkannt, sehen sie keine Vorteile für sich oder keine Chance auf Teilnahme an etwas Großem, wechseln sie schnell zum Mitbewerber. Waren bei der Generation X noch fünf Jahre Betriebszugehörigkeit normal, sind es in dieser Generation sechs bis zwölf Monate.

MERKE | Eine Führungskraft benötigt mentale, rhetorische und emotionale Wendigkeit. Hat der Kanzleiinhaber eben noch mit der Auszubildenden den detaillierten Plan für die nächsten sechs Monate besprochen, diskutiert er im nächsten Moment die vielschichtigen Ideen für Nachhaltigkeit im Büro mit dem 35-jährigen Nachwuchsanwalt. Sich auf die Sichtweise des Gegenübers einzulassen hilft, Konflikte zu vermeiden.
Checkliste / Umgang mit Gen Y
☐ Führen Sie möglichst häufig Feedbackgespräche. Geben Sie dem Kollegen Raum, sich mitzuteilen. Fragen Sie auch nach dem Privatleben und den Zielen.
☐ Geben Sie dem Mitarbeiter gleitende Arbeitszeiten inklusive der Option auf Homeoffice.
☐ Achten Sie darauf, den Selbstwert des Kollegen nicht vor anderen infrage zu stellen. Die Millenials sind bereit, sich zu verändern, wenn sie nicht vorgeführt werden oder sich bei mangelhafter Arbeit ertappt fühlen.
☐ Akzeptieren Sie, dass ein Mensch dieser Alterskohorte eine sensible Hand benötigt.
☐ Nutzen Sie das enorme Bildungsniveau und übertragen Sie Aufgaben mit Verantwortung und Budget. Besprechen Sie immer wieder die Fortschritte. Geben Sie den Kollegen die Chance, Ideen umzusetzen.
☐ Bei der Tages-, Monats- und Jahresplanung wird ein Millennial nach einer Extrabehandlung fragen. Verhandeln Sie gut, statt kategorisch abzulehnen.
☐ Geben Sie ihm in regelmäßigen Abständen einen Bonus wie Empfehlungsschreiben, Gehaltserhöhungen, längeren Urlaub, Weiterbildungen, mehr Spielraum, mehr Verantwortung oder einen höheren Titel. Bedenken Sie bei dieser Strategie, immer noch „Luft nach oben“ zu lassen.
☐ Motivieren Sie den Kollegen, nehmen Sie Druck raus und geben Sie ihm das Gefühl, ein wichtiger Teil der Kanzlei zu sein.

4. Z = Generation Boomerang

Als Gegenpol der Generation Y hofften die Unternehmen auf die Generation Z. Das sind unter 25-Jährige, aufgewachsen mit Globalisierung, Wikileaks und Netflix. Sie sind die Selfie-Generation, die zurückkehrt zu den Werten Sicherheit und Stabilität, aber sicher nicht zu Verlässlichkeit und Verantwortung. Zum Leidwesen der Arbeitgeber ist Arbeit für die jüngsten Menschen auf dem Arbeitsmarkt nur ein Teil des Lebens. Sie verbringen eine enorme Zeit im Netz und haben zwei oder drei Online-Identitäten auf Snapchat oder in Spielen. Für sie zählen Authentizität, Toleranz und Ehrlichkeit. Sie folgen dem Vorgesetzten, der sie ernst nimmt in ihrem Wunsch nach Abgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben. Sie brauchen klare Strukturen, sind eher vorsichtig und halten sich an Regeln. Regelverstöße nehmen sie nicht hin. Konflikte mit den stets hochmotivierten, von Idee zu Idee springenden Millennials sind vorprogrammiert.

Die Generation Z, häufig auch als Generation „Boomerang“ bezeichnet, ist nicht sehr geduldig, auch nicht mit Arbeitgebern. Ihre Mitglieder fühlen sich einer Kanzlei nicht verbunden oder verantwortlich für deren Erfolg. Im Zweifel ziehen sie wieder bei den Eltern ein und kündigen spontan und ohne Reue.

Checkliste / Umgang mit Gen Z
☐ Setzen Sie feste Arbeitszeiten fest.
☐ Sorgen Sie dafür, dass Sie sich selbst an alle Regeln halten.
☐ Übertragen Sie Aufgaben ohne Verantwortung, außer der Mitarbeiter möchte das.
☐ Die Inhalte des Arbeitsvertrags dürfen zu 100 Prozent eingefordert werden, müssen aber auch von Ihnen eingehalten werden.
☐ Sorgen Sie dafür, dass der Kollege Abläufe nachvollziehbar dokumentiert, falls er schnell ersetzt werden muss.
☐ Sorgen Sie dafür, dass sich die jungen nicht von den älteren Kollegen abkapseln. Bringen Sie das ganze Team regelmäßig zusammen.
☐ Schaffen Sie Bewusstsein für die Werte der anderen Altersgruppen.