Gericht/Institution:SG Mannheim
Erscheinungsdatum:22.07.2019
Entscheidungsdatum:15.05.2019
Aktenzeichen:S 2 KR 3116/17
Quelle:juris Logo

Vollstationäre Krankenhausbehandlung zur Vorbereitung einer Lebendnierenspende

 

Das SG Mannheim hat entschieden, dass die vollstationäre Krankenhausbehandlung zur Vorbereitung einer Lebendnierenspende in einem komplexen Fall erforderlich war mit der Folge, dass die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung zu übernehmen hat.

Die klagende Krankenkasse verlangt knapp 30.000 Euro Vergütung von einem spezialisierten Nierenzentrum für drei Wochen stationärer Vorbereitung auf eine Nierenlebendspende zurück. Die 1960 geborene Patientin musste wegen Nierenversagens regelmäßig zur Dialyse. Zur Vorbereitung der Transplantation waren ihr ihre eigenen Nieren Wochen zuvor entnommen worden. Der Spender, ihr Ehemann, hatte eine nicht kompatible Blutgruppe, so dass neben der zur Vorbereitung einer Organspende üblichen immununterdrückenden Behandlungen noch weitere erforderlich waren neben den parallel durchzuführenden Dialysen. Die durchgeführten zehn Immunadsorptionen, zwei Plasmapheresen und elf Dialysen dauerten kombiniert jeweils neun bis zehn Stunden. Sie wurden engmaschig überwacht, auch durch Blutentnahmen und Laboruntersuchungen. Die klagende Krankenkasse fand, die Behandlung hätte angesichts des guten Allgemeinzustandes der Patientin ambulant durchgeführt werden können. Ein Notfall habe nicht vorgelegen.

Das SG Mannheim hat die Klage abgewiesen.

Nach Einholung nach eines Sachverständigengutachtens sei die Einschätzung des beklagten Nierenzentrums bestätigt worden, so das Sozialgericht. Die immunologische Behandlung der Patientin, die ohne eigene Nieren keine Möglichkeit der Flüssigkeitsregulierung gehabt habe, habe zu einer Überwässerung und Gewichtszunahme von jeweils 1,9 kg oder 3% des Körpergewichts innerhalb weniger Stunden und damit zu einer starken Belastung des Herz-Kreislauf-Systems geführt.

Der medizinisch sehr komplexe Fall sei Gegenstand einer Fernsehdokumentation des SWR gewesen.

Die Berufung ist anhängig (AZ.: L 11 KR 2111/19).

juris-Redaktion
Quelle: Jahrespresseerklärung des SG Mannheim v. 22.07.2019


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