Gericht/Institution:OLG Braunschweig
Erscheinungsdatum:06.05.2019
Entscheidungsdatum:28.02.2019
Aktenzeichen:8 U 45/18
Quelle:juris Logo

Umgefallener Lautsprecher: Kein Schmerzensgeld für verletzte Konzertbesucherin

 

Das OLG Braunschweig hat entschieden, dass eine Konzertbesucherin, die während des Konzerts durch einen umgefallenen Lautsprecher verletzt wurde, keinen Anspruch auf auf Schmerzensgeld und Schadensersatz geltend macht kann.

Die Konzertbesucherin hatte wegen der Verletzung einer Verkehrssicherungspflicht gegen die Musiker einer schottischen Folkband und den Betreiber der Gaststätte, in der das Konzert stattfand, auf Schmerzensgeld- und Schadensersatz geklagt. Grund hierfür war, dass eines der Bandmitglieder einen großen Lautsprecher auf einem Metallstativ nahe beim Bühnenrand aufgestellt hatte, der während des Konzerts von der Bühne auf die davor sitzende Konzertbesucherin fiel. Diese erlitt dadurch mehrere Knochenbrüche.

Das OLG Braunschweig hat das klageabweisende Urteil des LG Braunschweig bestätigt.

Nach Auffassung des Oberlandesgerichts ist der Lautsprecher von einem der Musiker umgestoßen oder aber schon nicht richtig aufgestellt worden. Schließlich könne ein Lautsprecher nicht "von allein" umfallen. Einen Schadensersatzanspruch habe die Konzertbesucherin trotzdem nicht. Sie habe nicht nachweisen können, welcher Musiker genau den Sturz des Lautsprechers verursacht habe. Diese Feststellung sei aber erforderlich, denn die Bandmitglieder würden nicht für das Fehlverhalten eines ihrer Musikerkollegen – entweder falscher Aufbau oder das Umwerfen des Lautsprechers – haften.

Auch eine Haftung des Gaststättenbetreibers sei abzulehnen. Dem Gaststättenbetreiber sei keine Verkehrssicherungspflichtverletzung vorzuwerfen, weil er etwa die Tische und Stühle zu nahe an der Bühne platziert hätte. Es habe keine naheliegende Gefahr bestanden, dass Gegenstände von der Bühne in den Zuschauerraum fallen würden. Eine Haftung des Betreibers ergebe sich auch nicht aus den Regelungen der Niedersächsischen Versammlungsstättenverordnung, die Abstände von Sitzplatzreihen in Veranstaltungsräumen festlegt. Diese sei nicht anwendbar, da die Gaststätte zum Verzehr von Speisen und Getränken bestimmt gewesen sei und weniger als 400 Gäste gefasst habe.

Ein Anspruch der Konzertbesucherin wegen möglicher Pflichtverletzungen der Bandmitglieder komme allenfalls gegen den Konzertveranstalter, einen Kulturverein, in Betracht. Gegen diesen hatte die Konzertbesucherin aber keine Klage erhoben.

juris-Redaktion
Quelle: Pressemitteilung des OLG Braunschweig v. 02.05.2019


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