Gericht/Institution:LG München I
Erscheinungsdatum:05.06.2019
Entscheidungsdatum:04.06.2019
Aktenzeichen:33 O 6588/17
Quelle:juris Logo
Norm:§ 13 TMG

Besserer Schutz für Kunden der Online-Ticketbörse Viagogo

 

Das LG München I hat entschieden, dass die Online-Ticketbörse Viagogo ihre Kunden besser vor dem Kauf von ungültigen Veranstaltungstickets schützen muss, indem sie unter anderem die Garantiebedingungen transparenter macht und den Käufern die Kontaktdaten der Verkäufer mitteilt.

Geklagt hatte der Verbraucherzentrale Bayern e.V gegen die viagogo AG, die unter www.viagogo.de eine Ticketplattform betreibt. Die Verbraucher hatten mit bei der Beklagten erworbenen Tickets keinen Zugang zu Veranstaltungen erhalten, wie z.B. zu einem Fußballspiel des TSV 1860 München, weil die Tickets ungültig waren. Dies geschah entgegen der blickfangmäßig während des Bestellvorgangs auf www.viagogo.de eingeblendeten Garantie: "Alle Tickets auf unserer Seite kommen mit einer 100%-Garantie. Was bedeutet das für Sie? Sie kaufen mit Gewissheit. Wir garantieren Ihnen gültige Tickets für die Veranstaltung!"

Die Klage hatte ganz überwiegend vor dem LG München I Erfolg.

Das Landgericht hat Viagogo verurteilt, es zu unterlassen, Tickets mit einer blickfangmäßig hervorgehobenen Garantie zu bewerben, sofern nicht in unmittelbarer Nähe der Garantie die genauen Garantiebedingungen angegeben werden. Weiter hat es die Beklagte zu unterlassen, Tickets damit zu bewerben, dass die Lieferung "gültiger Tickets" garantiert wird, wenn das Ticket in Wirklichkeit kein Recht zum Besuch der Veranstaltung verschafft.

Außerdem hat es Viagogo zu unterlassen, auf der Internetseite www.viagogo.de den Verkauf von Eintrittskarten zu ermöglichen, ohne dass ein Käufer über die Identität und die Anschrift des Verkäufers informiert wird, und zwar bei unternehmerisch handelnden Verkäufern rechtzeitig vor Abgabe der Vertragserklärung des Käufers und bei nicht unternehmerisch handelnden Verkäufern unmittelbar nach Abgabe der Vertragserklärung des Käufers.
Nach Auffassung des Landgerichts handelt sich hierbei um Angaben, die für eine informierte Entscheidung des Verbrauchers wesentlich sind. Identität und Anschrift eines privaten Anbieters seien wegen des eingeschränkten Anspruchs auf Anonymität nach § 13 Abs. 6 TMG – anders als für unternehmerische Anbieter – erst unmittelbar nach dem Vertragsabschluss mitzuteilen.

Zudem muss Viagogo auf der Internetseite eine E-Mail-Anschrift angeben. Das Vorhalten eines Kontaktformulars, welches zunächst eine Registrierung des Nutzers erfordere, genüge den gesetzlich vorgeschriebenen Impressumsanforderungen nicht.

Lediglich, dass die Beklagte keine Informationen über ihre vertretungsberechtigten Personen auf ihrer Internetseite vorhält, sah das LG München I nicht als lauterkeitsrechtlichen Verstoß an. Diesbezüglich wurde die im Übrigen begründete Klage abgewiesen.

juris-Redaktion
Quelle: Pressemitteilung des LG München I Nr. 8/2019 v. 04.06.2019


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