Gericht/Institution:BKartA
Erscheinungsdatum:01.07.2019
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Bundeskartellamt erlaubt Übernahme von Handelshof durch Edeka

 

Das Bundeskartellamt hat am 01.07.2019 die Übernahme der Handelshof-Gruppe durch Edeka freigegeben.

Das Zusammenschlussvorhaben betrifft den Erwerb von 100% der Kommanditanteile sowie der alleinigen Kontrolle an der Handelshof-Gruppe durch die Edeka Zentrale AG & Co. KG und die Edeka Foodservice Stiftung & Co. KG.

Nach intensiven Vorermittlungen konnte die Prüfung der Fusion innerhalb der einmonatigen ersten Phase des Fusionskontrollverfahrens abgeschlossen werden. Das Bundeskartellamt hat hierfür über 100 Wettbewerber und Kunden sowie Verbände befragt. Insbesondere die Markträume in Bielefeld, Detmold, sowie Arnsberg/Hamm wurden einer genauen Analyse unterzogen.

Der Lebensmittelgroßhandel umfasst den Absatz von Lebensmitteln, Waren des sog. Non-Food-I Bereichs (v.a. Drogerieartikel) und ergänzende Sortimente aus dem Non-Food-Bereich an gewerbliche Kunden (z.B. Händler, Gastronomie und Großverbraucher).

Die Handelshof-Gruppe betreibt 16 Cash & Carry-Großhandelsmärkte in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern und ist auch im Zustellgroßhandel tätig. Ihr Umsatz betrug 2018 ca. 640 Mio. Euro. Die Edeka-Gruppe erzielte 2018 Umsätze von 53,7 Mrd. Euro allein in Deutschland. Sie ist v.a. über die Edeka Foodservice im Abhol- und Zustellgroßhandel tätig, mit Standorten im gesamten Bundesgebiet außer im Norden Deutschlands.

Im bundesweiten Vergleich liegt das fusionierte Unternehmen Edeka/Handelshof im Lebensmittelgroßhandel hinter Wettbewerbern wie Metro und Transgourmet. Wettbewerblich relevant sind jedoch die regionalen Marktverhältnisse. Das Bundeskartellamt hat nach den Ergebnissen der Ermittlungen einen einheitlichen Markt für Abhol- und Zustellgroßhandel zugrunde gelegt und ist räumlich von einen Radius von 75km bzw. alternativ 100km um die erworbenen Handelshof-Standorte ausgegangen.

Nur in den Regionalmärkten Bielefeld und Detmold erreichen Edeka und Handelshof zusammen überhaupt Marktanteile von 30-35% und sind damit in diesen Märkten mit deutlichem Abstand zu den Wettbewerbern die stärksten Anbieter. Aber auch in diesen Regionen, in denen die Unternehmen relativ stark vertreten sind, sind die Ausweichmöglichkeiten der Kunden auf andere Großhändler so stark ausgeprägt, dass nicht von einer erheblichen Beeinträchtigung des Wettbewerbes auszugehen ist.

Ein Ergebnis der aktuellen Ermittlungen war, dass die Marktabgrenzung auf der Absatzseite gegenüber dem früheren Ansatz geändert werden musste. In dem Fusionskontrollverfahren Edeka/Ratio war das Bundeskartellamt im Jahre 2011 noch von getrennten Märkten für den Abhol- und den Zustellgroßhandel ausgegangen. Die Bedeutung des Zustellgroßhandels und die Wechselbereitschaft der Kunden sind in den vergangenen Jahren allerdings deutlich gestiegen. Für die Kunden ist es aufgrund von geringeren Mindestbedingungen heute deutlich leichter, den Zustellgroßhandel in Anspruch zu nehmen. Für die Zustellung können neben der Zeitersparnis z.B. auch Hygieneanforderungen oder die Gewährleistung der Kühlkette sprechen. Im Ergebnis ist das Amt daher jetzt von einem einheitlichen Markt für Abhol- und Zustellgroßhandel ausgegangen.

Im Verhältnis zu den Herstellern und Lieferanten hat Edeka bereits jetzt bundesweit eine starke Marktposition. Die Marktanteile auf den verschiedenen Beschaffungsmärkten sind hoch. Das Einkaufvolumen der Handelshof-Gruppe wird diese Marktposition – geringfügig – verstärken. Der Zuwachs macht deutlich unter 0,5% des Beschaffungsvolumens des deutschen Lebensmitteleinzelhandels im Bereich Food und Non-Food I aus. Das Amt hat eine sorgfältige Bewertung dieses Zuwachses vorgenommen. Er wurde letztlich als zu gering eingestuft, um hieraus wettbewerblich so erhebliche Auswirkungen auf die Marktposition von Edeka auf den Beschaffungsmärkten abzuleiten, dass eine Untersagung des Vorhabens gerechtfertigt wäre. Dabei wurde berücksichtigt, dass Handelshof weder für den Fortbestand einer mittelständischen Einkaufskooperation noch als Alternative für den Marktzugang von Lieferanten eine mit Kaiser´s Tengelmann vergleichbare Bedeutung hatte.

juris-Redaktion
Quelle: Pressemitteilung des BKartA v. 01.07.2019


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