Gericht/Institution:VG Berlin
Erscheinungsdatum:02.07.2019
Entscheidungsdatum:25.06.2019
Aktenzeichen:8 K 202.18
Quelle:juris Logo

Inhaber einer Ausbildungsduldung können Anspruch auf Wohnberechtigungsschein haben

 

Das VG Berlin hat entschieden, dass ein Ausländer, der keine Aufenthaltserlaubnis besitzt, aber eine sogenannte Ausbildungsduldung, einen Wohnberechtigungsschein erhalten kann, wenn die Ausbildungsduldung noch mindestens ein Jahr gilt.

Der Aufenthalt der Kläger, einer albanischen Familie, wird seit 2017 geduldet, um dem Vater der Familie hier eine qualifizierte Berufsausbildung zum Ausbaufacharbeiter und Stuckateur zu ermöglichen. Im Mai 2018 beantragten sie beim Bezirksamt die Erteilung eines Wohnberechtigungsscheins. Dies lehnte das Bezirksamt ab. Zur Begründung führte es aus, Wohnberechtigungsscheine seien Personen vorbehalten, deren dauerhafter Aufenthalt im Bundesgebiet rechtlich gebilligt sei. Das sei bei einer Duldung nicht der Fall. Hiergegen setzen sich die Kläger zur Wehr. Sie meinen, einen Wohnberechtigungsschein beanspruchen zu können. Zumindest sei die Versagung durch das Bezirksamt damals rechtswidrig gewesen.

Das VG Berlin hat der Klage teilweise stattgegeben.

Nach Auffassung des Verwaltungsgerichts können die Kläger einen Wohnberechtigungsschein derzeit zwar nicht beanspruchen, weil ihre Duldungen inzwischen eine verbleibende Geltungsdauer von weniger als einem Jahr aufwiesen. Die Versagung des Wohnberechtigungsscheins sei jedoch rechtswidrig gewesen und verletze die Kläger in ihren Rechten. Denn zum Zeitpunkt der Klageerhebung hätten die Kläger einen Anspruch auf Erteilung eines Wohnberechtigungsscheins gehabt. Als Inhaber einer Ausbildungsduldung gehörten der Vater und seine Familie zu den Ausländern, die auch rechtlich einen verfestigten Aufenthaltsstatus besäßen. Zwar vermittelten Duldungen grundsätzlich kein auf Dauer gesichertes Bleiberecht. Bei der Ausbildungsduldung handele es sich aber um einen Sonderfall, weil diese eine rechtliche Billigung des Aufenthalts darstelle. Anders als übliche Duldungen würden Ausbildungsduldungen zu einem bestimmten Aufenthaltszweck, nämlich der Berufsausbildung, und für die Dauer der Ausbildung erteilt. Damit sollen sowohl dem Ausbildungsbetrieb als auch dem Ausländer Rechtssicherheit für die Zeit der Ausbildung gegeben werden. Der gesetzliche Anspruch nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss auf Verlängerung der Ausbildungsduldung zur Arbeitssuche bzw. die Möglichkeit der Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis zur Beschäftigung bestätigten, dass der wegen einer Ausbildung zunächst nur geduldete Aufenthalt auf längere Zeit angelegt sei.

Wegen grundsätzlicher Bedeutung der Sache hat das Verwaltungsgericht die Berufung zum OVG Berlin-Brandenburg zugelassen.

juris-Redaktion
Quelle: Pressemitteilung des VG Berlin Nr. 20/2019 v. 02.07.2019


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