Gericht/Institution:ArbG Gießen
Erscheinungsdatum:03.07.2019
Entscheidungsdatum:10.05.2019
Aktenzeichen:3 Ca 433/17
Quelle:juris Logo
Normen:§ 823 BGB, § 830 BGB, § 840 BGB, Art 2 GG

Entschädigungsansprüche bei fingierten Kündigungsgründen zur Entfernung unliebsamer Betriebsratsmitglieder

 

Das ArbG Gießen hat entschieden, dass ein Betriebsratsmitglied Anspruch auf Entschädigung gegen den Arbeitgeber hat, wenn Kündigungsgründe fingiert wurden, um das Betriebsratsmitglied loszuwerden.

Das Arbeitsgericht hat daher einen Arbeitgeber und seinen Rechtsvertreter gesamtschuldnerisch zur Zahlung von 20.000 Euro an die ehemalige stellvertretende Betriebsratsvorsitzende verurteilt, weil Kündigungsgründe systematisch strategisch provoziert oder erfunden wurden.

Das Arbeitsgericht sah es nach einer Beweisaufnahme als erwiesen an, dass die Betreiberin von Senioreneinrichtungen gemeinsam mit einem Rechtsanwalt im Jahr 2012 ein Strategiekonzept zur Entfernung ihrer unliebsamen Betriebsratsmitglieder entwickelte. Danach sollten eingeschleuste Lockspitzel die Betriebsratsmitglieder in Verruf bringen, Kündigungsgründe provozieren und erfinden. Ein als Zeuge vernommener Detektiv bestätigte den Vorwurf, man habe der Klägerin einen Verstoß gegen das betriebliche Alkoholverbot untergeschoben, um ihre fristlose Kündigung gerichtlich betreiben zu können. Zur strategischen Umsetzung habe auch gehört, dass die Kollegin der Klägerin, die Betriebsratsvorsitzende von zwei weiteren Detektiven durch Beschimpfen und Bespucken zu Tätlichkeiten provoziert werden sollte. Als diese nicht zuschlug, verletzte einer der Detektive den anderen und bezichtigte die Betriebsratsvorsitzende dieser Tätlichkeiten.

Das Arbeitsgericht wertete die strategische Vorgehensweise der Arbeitgeberin und ihres Rechtsberaters als schwere Persönlichkeitsrechtsverletzung (§§ 823 Abs. 1, 830 Abs. 1, 840 Abs. 1 BGB i.V.m. Art. 2 GG).

juris-Redaktion
Quelle: Pressemitteilung des ArbG Gießen Nr. 1/2019 v. 16.05.2019


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