Gericht/Institution:OLG Braunschweig
Erscheinungsdatum:09.07.2019
Entscheidungsdatum:29.05.2019
Aktenzeichen:11 U1/19
Quelle:juris Logo

Unsachgemäße Lagerung einer Waffe: Schadensersatz für Rost an Pistole

 

Das OLG Braunschweig hat entschieden, dass die Stadt Braunschweig einer ehemaligen Sportschützin Schadenersatz zahlen muss, weil sie die ihr übergebene Pistole der Frau nicht sachgemäß gelagert und die Waffe deswegen Rost angesetzt hat.

Die Klägerin, ehemalige Sportschützin, hatte bei ihrem Austritt aus dem Schießsportverein ihre Sportpistole ordnungsgemäß bei der Stadt Braunschweig abgegeben, um sie später zu verkaufen. Aufgrund der unsachgemäßen Lagerung der Waffe in einem verschlossenen Koffer bildete sich Kondenswasser, das zu Rostanhaftungen an der Pistole führte. Die Klägerin verlangte Schadensersatz von der Stadt.
Das Landgericht hatte der Klage stattgegeben und die Stadt zur Zahlung von 800 Euro verurteilt.

Das OLG Braunschweig hat das landgerichtliche Urteil bestätigt.

Nach Auffassung des Oberlandesgerichts ist zwischen der Sportschützin und der Stadt ein sog. öffentlich-rechtliches Verwahrungsverhältnis zustande gekommen. Weil die Klägerin aus dem Schießsportverein ausgetreten sei, habe es keinen Grund mehr für den Besitz der Waffe gegeben. Damit habe die Stadt ihre Pflicht, die "übergroße Mehrheit der waffenlosen Bürger hinsichtlich der körperlichen Unversehrtheit" zu schützen, ausgeübt, indem sie die Sportpistole entgegengenommen habe.

Auch in einem solchen öffentlich-rechtlichen Verwahrungsverhältnis sei die Stadt verpflichtet, die in Obhut genommene Sache gegen Zerstörung, Beschädigung und Verlust zu schützen. Dies habe die Stadt vorliegend nicht getan. Ihr sei vielmehr die unsachgemäße Lagerung der Pistole vorzuwerfen. Vom Inhaber einer Waffenkammer könne erwartet werden, dass er wisse, wie eine Waffe zu lagern sei.

Die Pflicht der städtischen Mitarbeiter habe sich auch nicht darin erschöpft, schlicht den verschlossenen Koffer zu lagern, weil sie etwa den Koffer nicht hätten öffnen können. Nach einer Beweisaufnahme stand für das Oberlandesgericht fest, dass die Waffe in einem geöffneten Koffer und zusätzlich mit dem Code des daran angebrachten Zahlenschlosses übergeben worden sei.

Das Urteil ist rechtskräftig.

juris-Redaktion
Quelle: Pressemitteilung des OLG Braunschweig v. 08.07.2019


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