Gericht/Institution:Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland
Erscheinungsdatum:01.10.2019
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EU-Kommission genehmigt Übernahme von Aleris durch Novelis unter Auflagen

 

Die EU-Kommission hat am 01.10.2019 die Übernahme von Aleris durch Novelis nach der EU-Fusionskontrollverordnung geprüft und genehmigt.

Voraussetzung für die Übernahme ist die Veräußerung der Sparte Aluminium-Automobilblech von Aleris in Europa.

Der Beschluss folgt auf eine eingehende Prüfung der Übernahme, bei der Novelis, der weltweit größte Hersteller von Aluminium-Autoblechen, mit Aleris einen etablierten einschlägigen Lieferanten übernimmt. Beide Unternehmen sind globale Hersteller von flachgewalzten Aluminiumprodukten und nehmen im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) eine starke Stellung ein.

Im Rahmen ihres eingehenden Prüfverfahrens holte die EU-Kommission umfangreiche Informationen ein und erhielt Rückmeldungen von mehreren Kunden aus verschiedenen Sektoren, darunter Bau, Elektronik, Verpackung und Fahrzeugherstellung. Die EU-Kommission kam zu dem Schluss, dass flachgewalzte Erzeugnisse aus Aluminium wie Automobilblech, die in der Automobilindustrie eingesetzt werden, einem anderen Markt zuzurechnen sind als sonstige Aluminiumerzeugnisse. Somit hätte das neu aufgestellte Unternehmen einen sehr hohen Marktanteil gehabt und einen äußerst großen Teil der Fertigungskapazitäten für Aluminium-Automobilblech im EWR kontrolliert. Darüber hinaus wären die wenigen kleineren Wettbewerber, die weiterhin auf dem Markt aktiv sind, auch aufgrund ihrer begrenzten Kapazitätsreserven nicht in der Lage gewesen, einer Preiserhöhung entgegenzuwirken. Zudem wurde festgestellt, dass das neu aufgestellte Unternehmen geringere Anreize gehabt hätte, in zusätzliche Fertigungskapazitäten zu investieren. Die EU-Kommission hatte daher Bedenken, dass die Übernahme in der angemeldeten Form höhere Preise für europäische Abnehmer von Aluminium-Automobilblech nach sich ziehen würde. Die Möglichkeiten, von Aluminium auf Stahl umzustellen, sind für Kunden aus der Automobilbranche nur begrenzt, und das Spektrum an Lieferanten, Preisen und Lieferketten für die betreffenden Produkte unterscheidet sich voneinander. Die Kunden aus der Automobilbranche sind auf wettbewerbsfähige Preise für Aluminium-Automobilblech angewiesen - auch, um das Gewicht ihrer Fahrzeuge verringern zu können. Neben Aluminium-Automobilblech stellen Novelis und Aleris auch noch weitere Aluminiumerzeugnisse her, die u.a. im Bausektor und für Fußbodenheizungen verwendet werden. Hinsichtlich dieser Erzeugnisse kam die EU-Kommission jedoch zu dem Schluss, dass es keine Bedenken gebe.

Um die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der EU-Kommission auszuräumen, boten die Unternehmen an, die Sparte Aluminium-Automobilblech von Aleris in Europa, einschließlich seines Werkes im belgischen Duffel, vollständig zu veräußern. Um die Rentabilität des Werkes sicherzustellen, wird die Veräußerung auch andere Produkte umfassen, die derzeit in Duffel hergestellt werden. Durch die vorgeschlagene Veräußerung werden sämtliche Überschneidungen aufgehoben, die in Europa durch die Übernahme im Bereich Aluminium-Automobilblech entstehen. Zudem stellt das Werk in Duffel eine integrierte Produktionsanlage dar, die bereits heute fast den gesamten vorgelagerten Input für ihre nachgelagerten Tätigkeiten herstellt, einschließlich warmgewalzter Coils und der meisten Platten. Die Veräußerung umfasst die FuE-Vermögenswerte sowie Finanzierungsmittel für eine Investition, die der Käufer nutzen kann, um die Kapazitäten weiter zu verbessern. Die EU-Kommission stellte fest, dass die veräußerten Vermögenswerte ein tragfähiges integriertes Geschäft darstellen, das einem geeigneten Käufer ermöglichen würde, wirksam mit dem fusionierten Unternehmen in Wettbewerb zu treten. Rückmeldungen der Marktteilnehmer zu den angebotenen Verpflichtungen bestätigten die Auffassung der EU-Kommission. Daher ist die EU-Kommission zu dem Ergebnis gelangt, dass der geplante Zusammenschluss angesichts der vorgelegten Zusagen keinen Anlass mehr zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken gibt. Der Beschluss ist an die Bedingung geknüpft, dass die Verpflichtungen vollständig umgesetzt werden.

Novelis mit Sitz in den USA ist weltweit als Hersteller von Aluminiumhalbzeug sowie im Aluminiumrecycling tätig. Das Unternehmen betreibt mehrere Produktionsstätten in Nordamerika, Südamerika, Europa und Asien. Novelis ist eine Tochtergesellschaft von Hindalco Industries Limited, einem in Indien ansässigen Lieferanten von Aluminium und Kupfer. Aleris ist in den USA ansässig und ein weltweit tätiger Hersteller von Aluminiumhalbzeug. Das Unternehmen betreibt mehrere Herstellungsanlagen in Nordamerika, Europa und Asien.

Das Vorhaben wurde am 18.02.2019 bei der EU-Kommission angemeldet; am 25.03.2019 leitete die EU-Kommission ein eingehendes Prüfverfahren ein. Die EU-Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Art. 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten oder in einem wesentlichen Teil des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) erheblich behindern würden. Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die EU-Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie das Vorhaben im Vorprüfverfahren (Phase I) genehmigt oder ein eingehendes Prüfverfahren (Phase II) einleitet. Derzeit laufen zwei weitere eingehende Prüfverfahren (Phase II): die geplante Übernahme von Bonnier Broadcasting durch die Telia Company und die geplante Übernahme von Grupa Lotos durch PKN Orlen.

juris-Redaktion
Quelle: EU-Aktuell v. 01.10.2019


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