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ARD-Rechtsexperte Dr. Frank Bräutigam im Interview: Richter sprechen durch ihre Urteile

Richter sprechen durch ihre Urteile… aber die Justiz benötigt auch einen professionellen Kontakt mit den Medien über den Gerichtssaal hinaus. Zahlreiche gesellschaftliche Konflikte werden zumindest auch in Prozessen ausgetragen und letztlich entschieden, die Berichterstattung darüber hat auf das Rechts- und Gerechtigkeitsempfinden der Menschen großen Einfluss. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist daher, dass über die Arbeit der Justiz sachlich, fachkundig und objektiv berichtet wird. Ein Mann, der sich dieser Aufgabe täglich stellen muss, ist der Leiter der ARD-Rechtsredaktion Dr. Frank Bräutigam. Mit ihm haben wir über das Verhältnis zwischen Justiz und Medien gesprochen.

Das Interview führte VPräsLG Holger Radke für juris – Die Monatszeitschrift. Wir veröffentlichen an dieser Stelle einen Auszug – das vollständige Interview mit Dr. Frank Bräutigam finden Sie auf den Seiten 437 ff. in: juris – Die Monatszeitschrift jM 11/2019, die Sie hier lesen können.

Radke: Sehr geehrter Herr Bräutigam, Ihrem Lebenslauf lässt sich entnehmen, dass Sie Jura studiert und beide Staatsexamen erfolgreich absolviert haben. Die meisten Menschen, denen dies gelingt, streben danach in die Anwaltschaft, sie werden Richter oder Staatsanwälte, bereichern die öffentliche Verwaltung oder die Fachabteilungen von Unternehmen. Sie hat es stattdessen in den Journalismus gezogen, wo Sie als Leiter der ARD Rechtsredaktion – gerne tituliert auch als „der Rechtsexperte der ARD“ – die Gerichtsberichterstattung in Deutschland für viele Menschen im Wortsinn „verkörpern“. Was war Ihr Antrieb, diesen Berufsweg einzuschlagen?

Bräutigam: Journalismus fand ich schon früh ziemlich spannend. Als Kind mehr so in Richtung Fußballreporter bei der Sportschau, als Jugendlicher dann immer mehr in Richtung Politik. Ich habe mich dann fürs Jurastudium entschieden in der Hoffnung, dass das eine gute Grundlage sein könnte, egal wohin es mich treibt. Das hat zum Glück geklappt. Ich habe neben dem Studium in Freiburg dann bei der „Badischen Zeitung“ im Lokalteil gearbeitet. Und da hieß es sehr schnell: „Was studierst Du, Jura? Geh doch mal in den Strafprozess da“. Oder: „Erklär doch mal dies oder jenes“. Da und auch in späteren Stationen habe ich gemerkt: Es ist als Journalist gut, wenn man sich auf einem bestimmten Thema einigermaßen gut auskennt. Dann öffnen sich Türen. Das Referendariat habe ich bewusst gemacht, damit ich auch die Praxis der Justiz kennenlerne. Und um die Möglichkeit zu haben, einen „klassischen“ Juristenberuf zu machen. Dass es dann mit dem Berufswunsch Journalist wirklich geklappt hat, war ja nicht genau planbar. Erst recht nicht, dass es zum Medium Fernsehen geht. Auch Zeitungsjournalist hätte ich toll gefunden. Ich habe dann Stationen im Referendariat in den Rechtsredaktionen von ARD und ZDF gemacht. Das hat einige Weichen gestellt. Wir bilden übrigens immer noch Referendare in der Wahlstation aus, so kommen viele interessante junge Leute zu uns nach Karlsruhe.

Radke: Welche Eigenschaften sollte man neben der juristischen Expertise für Ihren Job mitbringen?

Bräutigam: Man braucht den Mut, einfach zu formulieren. Kurze Sätze, lieber Verben statt Substantive, keine Fremdwörter. Höchstens ein Nebensatz ist erlaubt. Für Juristen vielleicht etwas ungewöhnlich... Gleichzeitig muss es inhaltlich korrekt bleiben. Außerdem sollte man gut unter Zeitdruck arbeiten und sich schnell in neue Themen einarbeiten können. Beim Fernsehen kommt hinzu, dass man viel in Bildern denken muss. Ich muss ja jeden Satz bebildern. Das klingt vielleicht banal, ist es aber nicht. So gerne wir Richter filmen – zwei Minuten schwarze oder rote Roben fände der Zuschauer eher langweilig. Also fragen wir uns bei jedem Thema: Können wir den konkreten Fall schildern? Bietet sich eine Grafik an? Wen können wir interviewen? Das ist viel Vorbereitung für einen am Ende kurzen Beitrag.

Radke: Viele Gerichte und Staatsanwaltschaften haben in den letzten Jahren versucht, ihre Pressearbeit zu verbessern und der Aufgabe mehr Gewicht und Wertschätzung beizumessen. Es gibt typischerweise Pressesprecherinnen oder Pressesprecher, die für diese Aufgabe speziell geschult werden und häufig auch eine gewisse Freistellung von ihrer hauptberuflichen Tätigkeit erhalten. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit der Justiz im Rahmen der professionellen Berichterstattung?

Bräutigam: In den letzten Jahren hat sich da vieles verbessert. Ich spüre insgesamt eine größere Offenheit, quer durch die Instanzen. Ausnahmen gibt es natürlich auch immer wieder mal. Aber die Tendenz ist gerade: Gerichte sprechen nicht mehr nur durch ihre Urteile, sondern äußern sich zum Beispiel auf Pressekonferenzen zu heiklen Themen, haben einen Twitter-Account, überarbeiten die Homepage. Ich freue mich immer, wenn Pressestellen agieren, und nicht nur reagieren. Dann können wir gut arbeiten. Ich merke aber auch: Alle zwei bis drei Jahre kommt jemand Neues in die Funktion des Pressesprechers, muss sich einarbeiten und erstmal testen, wie weit kann ich gehen oder nicht. Und zur Freistellung: Das scheint mir oft noch deutlich zu wenig zu sein. Die guten Pressesprecherinnen und -sprecher schaffen das nur, weil sie weit mehr Zeit als vorgesehen investieren. Aus den Justizministerien höre ich immer wieder, wie wichtig die Pressearbeit sei. Das ist schön, aber das muss man auch mit entsprechenden Stellen untermauern.

Das vollständige Interview mit Dr. Frank Bräutigam finden Sie auf den Seiten 437 ff. in: juris – Die Monatszeitschrift jM 11/2019, die Sie hier zum Download finden:

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